Berichte
Hier möchten wir einzelne Berichte von Veranstaltungen oder Schilderungen von Erlebnissen und Reisen veröffentlichen um einen Eindruck zu vermitteln, wie lebendig, zeitnah und praktisch ein Leben im Dharma sein kann.
Kopan - das erste aller FPMT-Zentren
Ein Bericht von Burgels Reise Anfang 2011.
Nach 10-jähriger Asien -Abstinenz
wollte ich mal wieder den Ort besuchen wo meine buddhistische Karriere ihren
Anfang nahm, das Kopankloster in Nepal, Mutterhaus aller FPMT-Zentren.
Schon im Taxi vom
Flughafen staunte ich über die wirtschaftliche Entwicklung in Nepal. Ich hätte
den Weg nach Kopan nicht mehr gefunden.
Auch Kopan selbst hätte
ich kaum mehr wieder erkannt. Fast der ganze Hügel ist jetzt voller Gebäude.
Neue mehrstöckige Häuser, davon eine Schule, Wohnstätten für die Mönche, ein
tantrisches Kollege mit eigenem Tempel, eine Cafeteria mit Aussichtsplattform,
Panoramablick über Kathmandu Valley und (!) ein Internetcafé. Dazu zwei neue
Gästehäuser für die Westler mit Dusche und Toilette, Zwei – und Dreibett
Zimmer, sogar Einzelzimmer. Eine enorme Verbesserung! Und fließend Wasser.
Kopan hat seine eigene Quelle und seinen eigenen Generator, heißt es gibt
Strom. Das ist nicht unbedingt die Normalität. Die Bevölkerung ist auf die Einspeisung durch die Regierung angewiesen und kommt auf bloße
8 Stunden Strom pro Tag. Und die meisten Menschen müssen ihr Wasser kaufen. Da
ist das Leben auf dem heiligen Hügel schon Deluxe.
Als erstes nahm ich an
einem 10-tägigen „Vipassana-Meditationskurs“ teil, um den Geist wieder in Schwung zu bringen.
70 Teilnehmer, im
Schweigen, nach Geschlechtern getrennt und mit dem Gesicht zur Wand. Sitzungen
von 45 Minuten wechselten sich mit 30-minütigen Gehmeditationen ab. Leider
hatte sich ein hartnäckiger Erkältungsvirus in der Gruppe eingenistet, und so wurde
es ein Husten-Schnupfenkurs, und die Stille im Meditationsraum musste man sich
vorstellen.
Überhaupt sind die Klöster dort nicht unbedingt Orte der Stille. Es geht eher sehr lebendig zu. Ungefähr 150 kleine Mönche leben hier, toben und spielen und werden unterrichtet. Die älteren studieren die buddhistischen Schriften und pflegen lautstark philosophische Debatte. In der Früh um 5 Uhr wird man von einem anhaltenden Glockengebimmel geweckt, das eigentlich den Mönchen gilt, wenn man nicht vorher schon von dem nächtlichen Hundegebell wach ist.
Wobei es sich nicht um einen wachsamen Klosterhund sondern um alle Hunde in und um Kathmandu handelt, die abends gleichzeitig zu bellen beginnen und in der Früh irgendwann aus unerfindlichem Grund auch gemeinsam wieder aufhören. Das steht auch so in den Reiseführern als nepalesische Besonderheit. Man wäre also schon vorgewarnt.
Ansonsten wird im Februar viel geheiratet, wobei alle daran teilnehmen dürfen. Lautsprecher in den Dörfern rund um Kopan verbreiten ihre Musik und Entertainer heizen die Hochzeitsgäste lautstark an. Zum Glück hatte ich meinen besonderen Freund dabei, das Oropax! Sonst hätte ich mein letztes Quäntchen Konzentration verloren.
Sehr bewegend war Losar,
das tibetische Neujahr, mit anschließenden Mönlam, dem berühmten
Gebetsfestival, das von Lama Tsongkhapa, im 9. Jahrhundert eingeführt wurde.
Jedes Jahr lädt Kopan
einen hohen Lama ein, diesmal Khensur Losang Tenzin aus dem Drepung Kloster,
der die Zeremonien leitet. Vorher wird
das Kloster geputzt und geweißelt, ein über 2 Stockwerke reichendes Buddha Shakyamuni -Thangka wird außen aufgehängt.Und dann drängen sich bis
zu 3000 Mönche und Nonnen und Tibeter um das Fest zu feiern. Bis zu 12 Busse bringen die Ordinierten aus anderen
Gelugklöstern zu den Feiern, und alle bekommen ihren Buttertee und etwas zu
essen. Der Haupttempel fasst 1000 Menschen. Wenn da alle gleichzeitig
rezitieren, singen mit den tiefen Stimmen, die Instrumente mit ihren für unsere
Ohren ungewöhnlichen Tönen gespielt werden, dann schwingt der ganze Hügel mit.
Es gab auch Überraschungen,
wenn ich nach einer Klausursitzung vor das Haus trat und auf einmal überall
tib. Familien in ihren Trachten Decken ausgebreitet hatten und picknickten. Es
wurde gekartelt oder gewürfelt. Die Ordinierten rezitierten die Gebete im
Tempel und die Laien feierten eben auf ihre Weise. Es war eine sehr heitere und
freudige Atmosphäre, der ich mich nicht entziehen konnte. Eigentlich gibt es wenig
Berührung zwischen „Westler“ und Mönchen. Als Besucher kann man in Kopan wohnen
und sich seinen Tag selber einteilen. Aber wenn Kurse stattfinden gibt es einen
straffen Tagesablauf mit Vorträgen, Meditationen und Diskussionen. Oft ist
halbtags Schweigen angesagt und wer möchte kann nach Absprache auch
Einzelklausuren machen. Die Stimmung ist meist sehr angeregt und es findet viel
Austausch bei den Mahlzeiten statt.
Meine Zeit in Kopan verbrachte ich u.a. mit persönlichen Retreats, die von den üblichen ups and downs, die im Schnitt jeder Retreater so erlebt begleitet waren. Meine Stütze dabei war die liebe Nonne Fran, die mit mir geduldiger Ratgeber war und mich auch nach dreimaligem Erscheinen im Büro nicht rauswarf. Freude bereitete mir auch der große blühende Mangobaum vor meinem Fenster, in dem viele Vögel Unterschlupf hatten und schwatzten was es nur ging. Zu jeder Tageszeit andere. Es war wie am Marktplatz. Und als es endlich wärmer wurde kamen die Ameisen und die Paviane. Es war immer was los.
Zwischen meinen Klausuren durfte ich bei den täglichen Wasserschalen-offerings in den privaten Räumen von Lama Zopa Rinpoche mithelfen. Als ich das erste Mal mitkam hat es mir fast die Sprache verschlagen. Ich hatte das Gefühl ich würde ein pure land betreten. Überall Statuen in allen Größen, Thangkhas über und über, von der Decke bis zum Boden, Lichter, Glitzer, Gold, Düfte. Wassereimer waren zu schleppen und schwere Kristallschalen mit Safranwasser zu füllen. Glück!
Kurz vor dem Ende meines Aufenthalts konnte ich noch Tenzin Puntsok, der 8jährigen, sehr temperamentvollen Wiedergeburt von Geshe Lama Konchok meine Aufwartung machen. Er empfing mich, etwas gestört, weil er gerade am Monopoly spielen war, zeigte mir aber dann sein neuestes Geschenk, einen labtop mit einer „Enzyclopedia for children“. Ich muss gestehen, dass er mir bei vielen der Wissensfragen schon weit überlegen war. In fließendem Englisch natürlich. Tja.
Alles in allem ist das Kloster Kopan ein Ort der viele Bedürfnisse abdeckt Man kann dort studieren, Kurse besuchen, einfach nur als Gast verweilen und Retreats machen. Ich hab mich sehr wohl und wie daheim gefühlt. Am Schluss konnte ich gar nicht verstehen warum ich jetzt von zu Hause wegfahre um nach Hause zu fliegen.



